Behandlungsverlauf mit rTMS bei Burn-out
Behandlungsverlauf mit rTMS bei Burn-out
von , 29.06.2010 20:42 (0 Kommentare)
Ich weiblich, 43 Jahre alt, verheiratet, möchte anderen Menschen meinen Behandlungsverlauf mit TMS zur Verfügung stellen.
Was war mit mir los, vor der Behandlung und welche Symptome traten auf?
- Enge legte sich wie ein Stahl-Korsett um meine Brust, ich wusste nicht wie ich es am nächsten Tag in die Arbeit schaffen sollte. Panik verbreitet sich über meinem Körper. Immer wieder versuchte ich mir einzureden, dass ich die Situation schon schaffe, aber da täuschte ich mich gewaltig.
- Durchschlafstörungen in der Nacht, begleitet von Angstattacken und ein ständiges Kreisen von Alltagsproblemen störte meine Nachtruhe.
- Ich zweifelte an mir, traute mir nichts mehr zu. Fühlte mich ganz klein.
Ich ging zu meinem Hausarzt, dem ich von den Symptomen erzählte.
Ich bat ihn um ein Medikament, das diese extreme Spannung in der Brust und die ständig begleitende Angst nimmt. Er verschrieb mir ein Medikament und eine Krankmeldung für 3 Tage. Es folgten noch Blutuntersuchungen, EKG und eine Überweisung an einen Psychiater. Na bravo, dachte ich mir, jetzt bekommst du einen Stempel auf den Kopf.
Heute am Dienstag war ich bei Dr. Seemann in WOF. Die Homepage sprach mich an, sodass ich nicht mehr mit einem ganz so mulmigen Gefühl dem Termin entgegen sah. Auf der Fahrt in die Praxis spürte ich vermehrt, die extreme Enge in der Brust weiter wachsen. Mir war schlecht und ich hatte Angst was mich dort erwartete. Ich fuhr langsam, sogar übervorsichtig mit dem Auto in die Praxis.
In der Praxis wurde ich sehr ruhig und freundlich empfangen. Das Gespräch mit dem Dr. war ganz entspannt, fast so, als kannte ich diesen Menschen, er war mir vertraut. Mein Bild vom Psychiater bekam ein anderes. Er hörte sich mein Befinden an und bot mir als Therapie eine TMS Behandlung an. Die Krankenkasse übernahm die Kosten der Behandlung leider nicht, aber ich wollte nur dass ich von meiner Angst und dem Stahlkorsett befreit wurde. Und wieder mit beiden Beinen im Leben stehe.
Etwas Bedenken hatte ich, ob die Behandlung mit dieser Methode wohl hilft?
Lesen Sie weiter, wenn sie wissen möchten, was passierte.
- Sitzung-04.05.2010 /17:15 Uhr
- Es fühlt sich an, als wenn mein Gehirn an meine Schläfe rutscht, es tut weh, als wenn der Kopf fest an die Wand gedrückt wird. Die Position des Gerätes wird verändert, jetzt lässt der Schmerz nach, es fühlt sich an, als wenn ein kleiner Meißel sich an meiner Schädeldecke zu schaffen macht. Es schmerzt aber nicht. Mein Körper entspannt etwas. Immer wieder kommt der Dr. oder die Sprechstundenhilfe und schauen nach mir. Die Zeit ist vorbei, der Dr. kommt und fragt, ob ich überhaupt noch aufstehen möchte.
- Von der Liege aus, kann ich meinen Kopf mit meiner Sauerstoffversorgung sehen. Es ist farblich dargestellt. Dieses Bild hat mich so fasziniert, das ich den Doc fragte, ob ich ein vorher nachher Bild bekommen könnte. Er sagte, dass wir dieses beim nächsten Mal machen.
- An der Stelle wo die Therapiespule angelegt war, fühlt es sich jetzt Zuhause an, als hätte ich ein Loch im Kopf.
- Mir ist etwas unwohl im Magen
- Die Augen fühlen sich an, als wenn sie dicker sind
- Meine Kopfhaut, besonders auf der rechten Seite reagiert empfindlich auf Berührungen, so als hätte ich einen Sonnenbrand am Kopf
- Der Brustpanzer ist nicht mehr so eng
Der Tag danach:
- Mir ist immer ein bisschen Übel nach dem Essen, vielleicht ist es auch der Stress
- Mein Darm tut weh- auch Stress?
- Die Realität, ist da. Alles, was sich in mir abspielt, ist nicht nur ein falscher Film, nein es ist die Wahrheit und die tut weh. Ich will nicht meine Schwäche zeigen und sagen, dass ich nicht mehr so weitermachen kann. Ich fühle mich jetzt noch mehr verwundbar.
2. Sitzung-11.05.2010 /9:00 Uhr
Ich freue mich nicht auf die Sitzung. Fühle mich ein wenig unwohl, warum kann ich nicht sagen.
- Der erste Blick fällt heute auf mein Bild an der Decke, was hat sich da getan? Meine Hörner an der Stirn sind weg, auch zeigt das Gesichtsfeld eine größere rundere Form an. Die Farbkreise darum von blau und grün haben sich reduziert. Ein Lächeln geht über mein Gesicht.
- Die Spule wurde wieder an die linke Stirn/ Schädeldecke positioniert, aber dort tut es mir immer noch weh. Position wurde verändert und hier ist alles OK.
- Ich spüre, dass die Spule nicht nur auf den Bereich der Position etwas bewegt, sondern die Vibrationen gehen auf die rechte Kopfhälfte über.
- Ich meine die harte Schale bei der ersten Sitzung wurde geknackt, jetzt geht es in die Feinarbeit. Stückchen für Stückchen werden die Unebenheiten in und an meinem Kopf mit Hammer und Meißel bearbeitet. Es tut nicht weh.
- Mein Brustpanzer löst sich wieder etwas.
- Nach der Behandlung außerhalb der Praxis sehen meine Augen die Natur so klar, als hätte ich meine Fenster (Augen) geputzt.
- Ich überlege mir, ob ich heute Abend meine Medizin nicht nehme. Aber dafür ist es wohl noch zu früh.
- Ich bin müde und schlafe schnell ein.
Mein Mann sagt, ich wirke frischer vom Wesen, nicht mehr so niedergeschlagen.
Der Tag danach:
- Heute ist eine Shoppingtour mit meinen beiden Girls in München geplant. Meistens geht mein Mann, als Stimmungsaufheller mit, der ist heute nicht da. Normalerweise muss ich nach maximal 3 Stunden nach Hause fahren, da mich die Menschenmassen wahnsinnig aufregen. Wir waren 5 Stunden unterwegs. Was auffällig war, dass ich mehr wie 2 Kleidungsstücke probiert habe und ich die Ruhe selbst war.
- Selbst meine große Tochter habe ich motiviert, Spaß beim Schoppen zu haben, ohne gleich auf 400 zu sein.
- Ab heute möchte ich nur noch 1x am Tag die Medizin nehmen, ich glaube das ich es schaffe.
Zwei Tage danach:
- Muttertag war ganz entspannt
- Der Druck in der Brust ist noch da, ich spüre Ihn, aber es ist mir möglich in den Bauch zu atmen was vorher nur schwer möglich war.
Drei Tage danach:
- Komisch ist, seit der Behandlung kann ich spätestens alle 2 Tage zur Darmentleerung auf die Toilette gehen. Vorher war das alle 5-7 Tage.
- Ich bin immer noch schnell müde. Schlafe unter Tage nochmals 1 Stunde.
3. Sitzung-14.05.2010 /9:00Uhr
- Heute wird ein vorher/nachher Foto von meiner Sauerstoffversorgung gemacht.
- Ich habe mich auf die Behandlung gefreut.
- Ich bin entspannt.
- Die ständig kreisenden Alltagsprobleme stören und behindern nur noch selten meinen Tagesablauf.
- Öfters huscht ein Schmunzeln über mein Gesicht.
- Heute ist mir nicht übel nach der Behandlung.
- Als ich aus der Praxis gekommen bin, ist das Licht sehr hell in meinen Augen, es blendet mich, obwohl es ein trüber Tag ist.
Die Tage danach:
Ich befinde mich mit meinen Gefühlen wie auf einer Achterbahn. Von tief betrübt bis zum Himmel hoch jauchzend. Dieses Sensibel in mir ist eine neue, ungewohnte Situation und ich auch gar nicht gern gezeigt habe. Ich muss lernen dieses zu akzeptieren und damit umzugehen. Diese Seite an mir habe ich nicht gerne gezeigt und zugelassen. Ist ja auch klar, man könnte verletzt werden hinter der harten Schale, mit weichem Kern.
4. Sitzung-17.05.2010 /9:00Uhr
- Heute hat sich nichts Neues getan, nur hatte ich nach und während der Behandlung den Wunsch, dass die Intensivität der Magnetstimulation höher gestellt werden könnte. Ich werde es bei der nächsten Behandlung ansprechen.
Die Tage danach:
- Bis zu der nächsten Sitzung wache ich morgens auf und bin frisch und ausgeruht. Bereit zu neuen Taten. Das macht Freude.
- Mein Druck in der Brust ist nur noch ganz gering und es kommt selbst bei Problemen nicht dazu, dass sich der Panzer wieder an meiner Brust anlegt.
- Meine Gesichtszüge wirken auf mich, in den Blick vor dem Spiegel, viel weicher.
- Die Augen strahlen, vielleicht von der Medikation?
- Dieses langsame aufsteigende Gefühl, bei Problemen in meinen Bauch bis in die Brust und bei Stress oder Überforderung ist auf Eis gelegt.
- Alles geht ein wenig gelassener, Zeit zum durchschnaufen.
5. Sitzung-20.05.2010 /9:00Uhr
- Heute wurde die Intensivität der Behandlung mit TMS gesteigert. Das tat gut, denn ich habe mehr von dem Klopfen gespürt. Heute konnte ich das erste Mal mit offenen Augen entspannen.
- Nachdem ich die Praxis verlassen hatte und nach draußen gekommen bin, dachte ich, oh Mann ich brauche sofort eine Sonnenbrille. So hell und grell blendete das Tageslicht meine Augen. Die momentane Wetterlage, leicht sonnig.
- Die Ohren fühlten sich an, als wären sie so groß wie von einem Elefanten, sie hören so viel.
- Ich fuhr singend und mit der Musik im Takt klopfend nach Hause.
Die Tage danach:
Meine Haare sind stumpf und glanzlos und meine Haut ist fleckig. Ich denke meine Altlasten suchen sich einen Weg. Ich decke sie nicht mit einem Make- up ab, ich lasse mich so wie mich Gott erschaffen hat.
Feedback meiner Tochter:
Ich lache mehr. Auch meine Probleme mit meiner Arbeitssituation spürt sie nicht mehr so wie vorher. Als wenn gar nichts wäre. Ich bin nicht mehr so gereizt und genervt, viel entspannter und lebensfroher. Sie vermerkt die Behandlung als sehr positiv.
6. Sitzung-11.06.2010 /9:00Uhr- nach drei Wochen
- Ich fühle mich so gut, dass ich mir heute die Sitzung noch mal als Sahnehaube für mich gönnen möchte. Ich mag gar keine Sahne, aber ich liebe Gummibären. OK, dann eben ein Gummibärchen.
- Mein Bild an der Decke hat keine Hörner, mit viel rosa, positiver Färbung. Der Dr. sagt, ich bin etwas erhitzt. Vielleicht liegt es an der komplizierten Umleitung zur Praxis.
- Dem Dr. erzähle ich von meinen Gefühlen und möchte meine Medikamente absetzen. Ganz! Auch möchte ich die Behandlungen an der TMS reduzieren. Er lächelt. Während der Behandlung legt er mir ein kleines Geschenk vom Haus an meine Handtasche. Was meinen Sie, was es war? Gummibärchen! Mir ging ein Grinsen über die Lippen. Danke Dr. Ich habe diese Gummibärchen im Mund zergehen lassen, sie schmeckten wunderbar.
Feedback danach:
Die Tabletten habe ich abgesetzt. Nach 9 Tagen baute sich der Spannungsdruck in meiner Brust wieder leicht auf. War es doch zu früh die Tabletten abzusetzen. Ich war der Meinung mir geht es gut, aber wahrscheinlich doch noch nicht so gut wie ich meinte. Was mache ich jetzt? Ich habe wieder angefangen meine Tabletten am Abend zu nehmen. Der Spannungsdruck reduziert sich von Tag zu Tag. Mir geht es wieder besser.
Ich werde die Tabletten jetzt weiter nehmen und irgendwann noch einmal mit einem erneuten absetzen der Medikation starten. Es hat mich schon ein wenig traurig gemacht, dass es noch nicht ohne Medikamente geht, aber man darf nie vergessen, dass der Körper auch etwas Zeit braucht die er zu Genesung braucht. Vor allem nicht wieder in das gleiche Verhalten zurückzufallen, denn das geht schneller als man das überhaupt mitbekommt.
7. Sitzung-29.06.2010 /9:00Uhr
Heute gebe ich diesen Bericht an Dr. Seemann weiter, damit Sie vielleicht genau wie ich, Informationen benötigen, von Betroffenen.
Abschließend kann ich als Ergebnis für mich vermerken:
Ich,
- schlafe tief und fest in der Nacht durch.
- Meine Gedanken kreisen nicht immer um Unstimmigkeiten in meinem Inneren.
- Der Panzer ist verschwunden.
- bin ausgeglichen und ruhig.
- Meine Augen strahlen und mein Gesicht empfinde ich als hübsch, ich benutze kaum noch Make-up.
- freue mich an meinem Spiegelbild.
- Die tägliche Darmentleerung funktioniert von allein.
- Tägliche Arbeiten gehen mir mit einer nicht gekannten Leichtigkeit von der Hand. Ich habe nicht nur in meinen Inneren aufgeräumt, auch die Wohnung wurde von Altlasten befreit.
- Endlich kann ich auch mal nicht arbeiten, genieße das Nichts- Tun. Meine Tochter sagt jetzt: „Hast du heute nichts getan?“, Ich sage: „Ja!“. Habe dabei noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen.
- Mein altes Arbeitsverhältnis habe ich gekündigt und Anfang Juli starte ich mit neuer Energie bei einem anderen Arbeitgeber. Ich freue mich darauf.
- Schoppen gehen macht Spaß, aber ich mache jetzt keine Einkäufe, um mich zu belohnen oder wie auch immer.
Ich weiß ich bin eine starke Persönlichkeit und hätte niemals gedacht, dass ich in eine Situation kommen würde, die mich so zum straucheln bringt. Die Realität holte mich schnell ein, bis ich bemerkte, dass es an der Zeit ist, dagegen etwas zu tun.
Für alle die sich in der einen oder anderen Situation wieder finden, geben Sie sich einen Ruck und glauben Sie an sich. Jeder kann in so eine oder ähnliche Situationen geraten, indem alles drunter und drüber geht, aber nur Sie allein entscheiden, wie lange Sie das aushalten wollen. Sicherlich ist der finanzielle Aspekt auch ausschlaggebend. Im Nachhinein war und bin ich mir das wert gewesen.
Danke an Dr. Oliver Seemann und der freundlichen Sprechstundenhilfe
Juni 2010