Praxis Dr. med. Oliver Seemann, Obermarkt 8, 82515 Wolfratshausen
+49 08171 21871
info@psychiater.org

Internetsucht-Ambulanz

"Münchner Therapiezentrum für Internet-Abhängige"

Das Therapie-Zentrum wurde 1999 von Dr. med. Oliver Seemann an der renommierten Universitäts-Nervenklinik LMU München gegründet, geleitet und kontinuierlich weiter entwickelt. Dr. Seemann war in Europa der erste Arzt und Forscher, der sich mit dem Thema „Internet-Sucht“ auseinandersetzte und Forschungen dazu ins Leben rief, deren Ergebnisse bis heute in meist leicht modifizierter Form weiter verwendet werden.
Seit der Niederlassung 2002 können Sie Beratungen und Therapie in Wolfratshausen bei München in Anspruch nehmen.
Die therapeutischen Möglichkeiten umfassen Tiefenpsychologische Sitzungen, ggf. in Kombination mit rTMS (Magnetstimulation) und Box-Coaching (Selbstbehauptungstraining).

Literatur:

Buch:
Seemann O, Köpf G, Kratzer S, Wöller A (2001): ‘Die Internet-Süchtigen’. Verlag Karl Maria Laufen.
ISBN 3-87468-181-5, 69 Seiten, kartoniert.

Feature:
Mitchell P (2000): Internet addiction: genuine diagnosis or not? The Lancet 355:632

Zeitschriftenartikel:
Seemann O, et al. (1999): Internet-Abhängigkeit. Münchener Medizinische Wochenschrift 10:112-114
Seemann O, et al. (2000): Wissenschaftliche Online-Umfrage zur Internet-Abhängigkeit. Fortschritte der
Medizin Originalien III:109-113

Theorie der Wirksamkeit von Therapie

Therapie als Vergegenwärtigung:

Das Subjekt, das sich reflektierend seiner selbst vergewissert, eine wissende und zugleich distanzierte Selbstbeziehung aufweist und so sein Personsein realisiert, kann dies nur, indem es sich als Vergangenes vergegenwärtigt. Durch Erinnerung vergewissert sich der Mensch eines Grundes, in dem er sein Leben als Ganzes annehmen und das Vergangene durch einen Akt der Trauerarbeit als Abgestorbenes und real Erlebtes erfahren kann. Alles Erlebte ist letztlich Selbsterlebtes. Es gehört der Einheit dieses Selbst an und erhält damit einen unverwechselbaren Bezug auf das Ganze dieses einen Lebens. In der Erinnerung des Lebensganges ist der Ordnungssinn begründet, der ein transzendentales Moment im Leben darstellt und der im Sich-ausgestalten erst wirklich wird und allein in ihm wirklich ist.

Therapie als Kybernetik:

Subjektivität ist gleichzeitig auch als kinetischer Prozeß zu verstehen, da jedes Subjekt sich im Wissen von sich zu kontinuieren hat. Nur innerhalb der Zeit sind auch Wandlungen der Selbstdeutung möglich. Subjektivität ist kinetisch gesehen die Anstrengung-die-ich-bin oder mit Goethe gesprochen: „Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß“. Da dem Subjekt sein Grund entzogen ist, bestehen Alternativen zur Selbstdeutung. Manche Subjekte ahnen, daß es in jede von ihnen hineingezogen werden könnte und dass Selbstdeutungen über die Zeit hinweg auch in Gefahr geraten können. Bewahren können sich Selbstdeutungen, wenn sie sich vor ihren Alternativen bewährt haben. Das aber schließt ein, dass die Alternative im eigenen Leben als solche erfahren wurde. Subjekte müssen ständig aktiv sein, um eine Einheitsstiftung zu vollziehen und eine Integration zu erreichen. Wirklichkeit steht damit immer auch im Horizont zukünftiger Möglichkeiten.

Therapie als Kunst:

Es ist eine Kunst, Krankheiten als Chancen zu verstehen. Kunst erschüttert und befreit zugleich. Therapie ist Kunst. Kunst als Spiel kann der Entlastung dienen. In der künstlerischen Ausgestaltung der eigenen Lebenssphäre werden wir in eine Art zweiter Heimat versetzt, die birgt und die aus dem eigenen schöpferischen Potential hervorgegangen ist. Warum hat die Kunst die Möglichkeit, Leben eine Orientierung zu geben und auch über Erschütterungen hinweg zu befreien? Über Kunst kommt eine Dynamik von Subjektivität zu sich selbst, die es in keiner anderen Form geben könnte. Die ästhetische Betrachtung entlastet nämlich vom Interesse, sich in der Welt zu behaupten. Kunst befreit aus dem Weltzusammenhang und bezieht den Betrachter zugleich auf das Ganze seines Daseins. Die ästhetische Betrachtung hebt das Subjekt somit aus seiner Verwicklung von Weltkonstitution und Weltbewältigung. Es kann sich im Subjekt Klarheit und Ruhe in einem unbedrängten Bei-sich-sein ausbilden.

Therapie als Beruhigung:

Gelassenheit erlangt das Subjekt, das weiß wie es ist, sich am Unmöglichen abgearbeitet zu haben. Die Therapie ist dann vorbei, wenn der Patient oft genug gescheitert ist, genug getrauert hat, bis er sich möglichst gelassen subjektiv empfundene Quellen der Befriedigung und Sicherheit verschaffen und im akzeptierten Kampf mit der Entropie möglichst lange aufrechterhalten kann. Das Sein-lassen-können anderen Selbstseins ist dabei ein fundamentaler Akt mitmenschlicher Anerkennung. Freundschafts- und Liebesbeziehungen, die auf dieser Basis eine Geborgenheit vermitteln, haben eine Stabilität, wenn Selbstdeutungen des bewussten Lebens zu einer kompatiblen Integration gelangt sind und dem Subjekt eine Positionierung innerhalb der Welt erlauben, von welcher aus das bewusste Leben auf Handlungen in der Welt ausgreifen kann.

Therapie als Ent-wurf:

Eines der wichtigsten Subjektivitäts-Medien ist Sprache, da Sprache den Standpunkt des Adressaten antizipiert. Sprache kann damit eine Selbstdistanz erzeugen, die uns befähigt, von selbstbewußten Personen zu sprechen. Das authentisch-selbstbewußte Subjekt hat dann die Möglichkeit die depressive Position des Objektes aufzugeben. Es darf Wut und Angst an sich bemerken und wahrheitsgemäß zur Sprache bringen. Dabei bringt es sich naturgemäß in Gefahr. Diese Selbstgefährdung treibt das Subjekt langsam aber sicher in eine Daseinsform höheren Genießens.

Oliver Seemann